30 Mrz

Christian Dürr besucht die Kreiszeitung Wesermarsch

Noch ist er der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag. Ab Sonntag wird er, wenn nichts Unerwartetes passiert, nach dem Landesparteitag die Landesliste der Liberalen für den Bundestag anführen. Am Freitag war Christian Dürr, der für den Wahlkreis 28 (Wesermarsch/Delmenhorst/OldenburgLand) für den Bundestag kandidiert, zu Gast bei der Kreiszeitung. Er plädiert für eine Politik für die Menschen in der Mitte der Gesellschaft.

Christian Dürr ist 39 Jahre alt, und dennoch der dienstälteste Fraktionsvorsitzende im Landtag. Dem gehört er seit 2003 an. 2009 übernahm er den Fraktionsvorsitz in Hannover.

Dürr mit 33 Stimmen zum Bundestag-Kandidaten gewählt

Damit soll es ab September vorbei sei, denn den Ganderkeseer zieht es nach Berlin. Im Dezember nominierten ihn die Delegierten der drei im Wahlkreis vertretenen FDP-Kreisverbände mit 33 zu 3 Stimmen als ihren Kandidaten für den Bundestag. Aus dem flog die FDP nach der Wahl 2013. Zuvor hatte Angelika Brunkhorst den Wahlkreis für die Liberalen vertreten.

Christian Dürr ist zuversichtlich, dass es am 24. September für den Wiedereinzug reichen und er dann als niedersächsischer Spitzenkandidat nach Berlin gehen wird. „Wenn man nicht Optimist ist, ist man in der FDP sowieso falsch“, sagt er.

FDP vertritt Gegenpositionen zum Schulz-Programm

Auch wenn die Partei bei Umfragen derzeit über 6 Prozent kaum hinauskommt: Christian Dürr sieht bei den Deutschen ein Interesse daran, dass die FDP in den Bundestag kommt.

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz fahre ein Programm, zu dem die FDP inhaltlich Gegenpositionen vertrete. Und es gebe viele Menschen, die darüber froh seien. Der Liberale ist der Ansicht, dass die Mitte der Gesellschaft im politischen Diskurs derzeit nur von der FDP vertreten werde.

Die anderen Parteien konzentrierten sich dagegen vor allem auf die Ränder der Gesellschaft. Seine Partei sei die richtige Wahl für Menschen, die mitreden und -entscheiden wollten und nicht darauf setzten, dass alles erledigt werde. Mehr politischen Diskurs wünscht Christian Dürr sich folglich.

„AfD ist für mich eine rechtsradikale Partei“

Dabei sollten seines Erachtens nicht die schrillen Parolen der AfD die Agenda setzen. „Das ist für mich eine rechtsradikale Partei, menschenverachtend, die es auf Provokation anlegt“, urteilt er. Die anderen Parteien dürften nicht „über jedes Stöckchen springen“, das die AfD hochhalte.

In den Augen des Liberalen sind CDU, SPD und Grüne in den letzten Jahren näher zusammengerückt. AfD und Linke verträten ebenfalls mitunter fast identische Positionen, etwa bei der Ablehnung des Freihandels.

Die Position der FDP sei anders definiert: Schon vor der Flüchtlingskrise habe die Partei ein Konzept vorgelegt, um Deutschland zu einem modernen Einwanderungsland zu machen. Die Überalterung der Gesellschaft mache das dringend notwendig.

Gegner der Vorratsdatenspeicherung

„Es ist komplette Privatsache, an welchen Gott jemand glaubt, solange er sich an Recht und Gesetz hält“, beschreibt Christian Dürr die Haltung der FDP. Rechtsstaatlichkeit müsse jederzeit das Ziel sein.

Was die Gefahr durch Terrorismus angeht, ist Christian Dürr sicher: „Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern den Vollzug der bestehenden.“ Als Kläger gegen die Vorratsdatenspeicherung fragt er sich, warum der Staat 82 Millionen Menschen überwachen wolle, gleichzeitig aber betone, rund 500 bekannte islamistische Gefährder nicht überwachen zu können. Er fordert eine effektive Vernetzung der Sicherheitsbehörden und eine Stärkung der Polizei.

Die FDP verlange seit Jahren mehr Polizisten. Auch die Gerichte müssten gestärkt werden, denn Verfahren dauerten derzeit zu lange. Wenn die FDP in den Bundestag einziehen sollte, dann hofft Christian Dürr, die liberalen Positionen wieder stärker ins Bewusstsein von Politik und Gesellschaft rücken zu können. „Wir wollen unsere Grundsätze vertreten und unsere Positionen nicht aufgeben.“

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch, 25. März 2017